An dieser Stelle findet sich der Wortlaut der Schrift

zur

Entwicklung und zum Gegenwartsbild des Dorfes

Ysinctorp - Istrup

von

Hubertus Brennig

aus dem Jahr 1961

 

  

INHALT

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1. Vorwort

2. Einführung

3. Die Bauerschaft Ysinctorp

       a) Art und Zeit der Besiedlung

       b) Der Name "Ysinctorp"

       c) Urkundliche Belege Istrups (Zeittafel)

       d) Die Bauerschaft

       e) Die Einwohner und ihre Wohnstättennummerierung

       f) Die Flurnamen

4. Der "olde Blomberg"

5. Die "Brugge Nesse"

6. Der Hurn

7. Der "Dicke Berg"

8. Der "Judenstein"

9. Die Kirche

10. Die Schule

11. Brauchtum

12. Ein Gerichtsurteil

13. Quellenverzeichnis

 

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Vorwort

 

Die erste archivalische Erwähnung findet Ysinctorp (Istrup) neben vielen anderen Orten unseres Landes in einem "Verzeichnis der Güter und Gefälle" (Einkünfte) der Edelherren zur Lippe.

Das undatierte Verzeichnis wurde verschiedener anderer Notizen wegen in den Lippischen Regesten (Urkunden) als aus dem Jahre 1361 stammend notiert und ist damit Anlass geworden, 1961 dem anstehenden Heimatfest den Rahmen einer 600-Jahr-Feier zu verleihen.

Das Fest und diese Schrift sollen uns den Wert der Heimat erkennen lassen und wollen über das bloße Wissen heimatlicher Tatsachen hinaus die Liebe zum Dorf und zur Heimat wecken und fördern. Mögen Sie denen eine Stärkung ihrer Sehnsucht sein, die fern der eigenen Heimat unter uns sind, und ihnen helfen, hier eine neue Heimat zu finden.

 

Unser ehrendes Gedenken gilt aber besonders denen, die in fremder Erde ruhen und denen es nicht vergönnt gewesen ist, in heimatlichem Boden die letzte Ruhe zu finden.

 

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Einführung

 

Dass unser Dorf über die 600 Jahre hinaus eine viel ältere Geschichte hat, lässt sich neben einer urkundlichen Nennung als Familienname (Consul Otto de Isinctorpe 1229 Blomberg) noch durch verschiedene hier zu erwähnende Tatsachen belegen. Wie alt unser Dorf wirklich ist, wie es früher ausgesehen hat und wer seine Einwohner waren, wissen wir nicht. Wir können uns kaum vorstellen, wie unsere Landschaft ausgesehen hat, als den nach Norden zurückgehenden Eismassen eine tundra- und steppenartige Pflanzenwelt folgte und Mammut sowie Rentier hier ihren Lebensraum hatten.

Wer mag es gewesen sein, der als Jäger dem Großwild nachgestellt hat und es zur Strecke brachte? Ein Mammutzahn ist bei Ausschachtungsarbeiten in Istrup gefunden worden und befindet sich im Landesmuseum in Detmold.

Wer vermag sich ein Bild zu machen von der Nachfolgezeit der Steppenlandschaft, wo der Wald, die Grasflächen, der sumpfige Wasserlauf und die windgeschützte Lage zur ständigen Niederlassung einluden?

Ein Gang durch die Jahrhunderte soll uns nun Aufschluss geben über das Werden der Dorfschaft. Mehrere Darstellungen aus der so genannten "geschichtlichen Zeit" gewähren uns Einblick in das Leben vergangener Tage.

 

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Die Bauerschaft Ysinctorp

 

Art und Zeit der Besiedlung

Der natürliche Weg bei der Betrachtung der Geschichte eines Dorfes beginnt in der Urzeit und führt bis zur Gegenwart.

Funde als älteste Zeugen vorgeschichtlicher Zeit haben wir bisher in unserer Gemarkung nur zwei zu verzeichnen. Während der schon genannte Mammutzahn uns nur einen schmalen Einblick in den erst geschichtlichen Werdegang unserer Beckenlandschaft gestattet, sind die etwa 2,50 m unter der jetzigen Dorfstraße (bei der Einmündung der Hainbachstraße) liegenden Holzreste erste Zeugen menschlicher Besiedlung. Sie sind damit auch Ansatzpunkt für unsere Betrachtungen. Mithilfe moderner, allerdings kostspieliger Mittel ließe sich sogar das Alter dieser Hölzer feststellen, die ihrer Anordnung nach wohl eine Art Knüppeldamm von 2,00 - 2,30 m Breite durch die feuchte Niederung des Hainbaches gewesen sind. Anscheinend war der damalige Weg an dieser Stelle zu einer Kurve ausgebaut, denn die dickeren Enden der 15 - 22 cm starken Eichenstämme befinden sich alle auf einer Seite und bewirken dadurch eine Richtungsänderung auf den Bachlauf zu. Der Knüppeldamm liegt auf einer Schwemmsandschicht und sehr dicke Steine darunter haben ihm erst Halt geben müssen.

Für uns ist dieser Fund im Rahmen der dorfgeschichtlichen Betrachtung weiter nichts als ein Beweis menschlicher Besiedlung früherer Zeit.

Die Beschaffenheit des Bodens, das Vorkommen von Wasser und das offene Land mit lockerem Eichenmischwald als Urlandschaft bot sich dem sesshaft werdenden Jäger und Fischer gerade hier am Südhange einer ausgedehnten Waldung zur Besiedlung an. Er fand hier die Möglichkeit, Weidewirtschaft zu betreiben.

Mit zunehmender Umstellung auf Ackerbau wurde das dafür notwendige Gelände außerhalb der Niederungen und Weideflächen gefunden. Wegen des damals noch feuchteren Klimas wählte man dafür Geländestücke auf leichten Anhöhen aus und verteilte sie besitzmäßig in "Gemenge" so, dass jeder Ansiedler ein Stück der betreffenden Flur bekam.

Nennungen in den ältesten Schatzregistern des Landes und Vergleiche von Angaben der Salbücher mit altem Kartenmaterial lassen den wahrscheinlichen Besiedlungsvorgang Istrups erkennen und deuten auf eine lockere Gehöftegruppe als ältester Ansiedlung mit Längsstreifenfluren hin(400-700 nach Christi), denen sich Fluren mit quer dazu verlaufenden Längsstreifen anschließen. Noch weiter vom Dorf entfernt finden wir die "Blockfluren", wie breite rechteckige oder quadratische Form haben. Der "Meierhof" (Busse-Reineke) mit seiner geschlossenen Flur (auch vor der Verkopplung) und seine zusätzlichen Besitzungen in der Altflur der Gemarkung bestätigen die Vermutung, dass es sich siedlungsgeschichtlich um einen Althof handelt, der seine jetzige Form grundherrlicher Initiative der "Ausbauzeit" (800 - 900) verdankt.

 

Längsstreifenfluren im "Gemengelage" im Emmersfeld.

Ausschnitt aus der Karte der Altflur "Bauerschaft Istrup".

 

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Ysinctorp

Ein weiterer Anhaltspunkt für Rückschlüsse auf das Alter eines Dorfes ist sein Name.

Die Häufung der "trup-Orte" im Blomberger Becken, das den nördlichen Teil des germanischen Wethigaues (Waizzagavi) ausmachte, ist auffällig. Man nimmt an, dass sie etwa 600 nach Christi bis in die erste Hälfte des achten Jahrhunderts aufgekommen sind.

Der Personenname (Yso, Iso) des ersten Siedlers mit der Sippenendung "inc" ist im späteren Verlauf entfallen. Ysinctorp (Istrup), Walderingtorp (Wellentrup), Bruninctorp (Brüntrup), Hodinctorp (Höntrup) und Hardinctorp (Herrentrup) sollen eine kleine Auswahl der an das Dutzend heranreichenden "trup-Siedlungen" sein, die Wüstungen einbezogen, wie zum Beispiel Sulingtorp zwischen Istrup und Großenmarpe, an das noch das "Süntruper Fled",  das "Süntruper Holz" und der "Kamp Süntrup" erinnern. Auch Gropentrop (Gröpperhof) und Ebbestorp (Obersiebenhöfen) gehören mit ihren ursprünglichen Namen in die Gruppe der "trup"-Siedlungen.

 

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Urkundliche Belege Istrups (Zeittafel)  ...  anklicken und anschließend zurückkehren ...

Weitere Nennungen Istrups sind bei den nachfolgenden Darstellungen angeführt (Brugge Nesse, Dicker Berg, Schule, Gerichtsurteil usw.).
Die Entwicklung Istrups ist sichtbar in seinen Bevölkerungszahlen, wobei die "Wohnplätze" Nassengrund, Riechenberg und Holstenhöfen mit einbezogen sind:

1648 - 136 Einwohner (nach Kuhlmann)

1776 - 305 Einwohner

1939 - 781 Einwohner

1950 - 1198 Einwohner

1961 - 1060 Einwohner (bei 341 Haushaltungen und 162 Häusern)

 

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Die Bauerschaft

Dass die ersten Anfänge unserer Siedlungen Bauernhöfe waren, ist schon gesagt worden. Dies trifft nicht nur für unsere jetzigen Dörfer zu, sondern auch für die Städte des Landes, die aus zusammengezogenen Bauerschaften gebildet worden sind. Die Zahl der Bauern in den Dörfern entsprechend der Landesschatzregister ist gering und nimmt erst im Laufe des 16. Jahrhunderts bedeutend zu. Man unterschied sie nach der Größe ihrer Höfe und machte auch ihre Dienstleistungen einerseits und ihre Rechte andererseits davon abhängig.

Es gab: Vollspänner (auch Vollmeier genannt), die einen 25 - 30 ha großen Hof besaßen und mit vier Pferden Dienstleistungen verrichten mussten, Halbspänner mit 16 - 24 ha Ackerland, Großkötter, die acht - 16 ha ihr eigen nannten, Mittelkötter mit über 5 ha Land und Kleinkötter so wie Hoppenplöcker mit unter 5 ha Besitz. Die Größe der Besitzungen wurde in "Scheffelsaat" ausgedrückt, der etwa 1717 m² groß war. Im Namen "Hoppenplöcker" ist noch die Haupttätigkeit dieser kleinsten Grundbesitzer, nämlich das Hopfenpflücken auf den damals noch zahlreichen Hopfenfeldern erhalten.

Die Vergrößerung und Ausweitung der Dorfschaften stellen wir bis zum Ende des 18. Jahrhunderts fest und wesentliche Veränderungen in der Struktur eines Dorfes sind seither nicht mehr zu verzeichnen. Flurkarten, Vermerke in Salbüchern und in den Schatzregistern und Notizen in den Aestimations- und Messbüchern aus der Zeit um 1800 lassen uns ein genaues Bild unserer Dörfer erkennen.

In den Landesschatzregistern sind die Namen der Steuerpflichtigen mit ihren Beträgen verzeichnet. Der Landschatz war die öffentliche Grundsteuer, die von den Kolonen erhoben wurde. Während des dreißigjährigen Krieges wurde der Landschatz in die "Kontribution" (zwangsweise Einziehung von Geldern zur Zahlung von Kriegskosten) umgewandelt, deren Erhebungsgrundlagen in den Salbüchern festgelegt wurden.

Die nachstehend aufgezeigten Angaben sind Auszüge aus solchen Schatzregistern und Salbüchern und erlauben uns, Rückschlüsse auf die Größe der Höfe zu ziehen und lassen das Wachsen unserer Bauerschaft Istrup erkennen.

 

Landesschatzregister Istrup 1467

Der Meyer

Schoenhager

Cort Schake

Misteken

De junge Cort Uden

De aulde Ude

Strohmeier

Platenoge

drei Gulden

drei Gulden (später Wiemann)

drei Gulden (später Stumpenmeier)

drei Gulden (Mische, heute Heinrich Peter)

drei Gulden (Uhmeier)

ein halber Gulden

ein halber Gulden (bez.)

zwei Gulden (Platenau)

 

1486/87

Der Meier

Cord Misteken

Keyßerhenke

Bernd Plattenoge

De Delkener'sche

Cord Uden

Schake

Uden

Hanns Uden de olde

Schönhage

vier Gulden

zwei Gulden

ein Gulden (jetzt Schling)

ein Gulden

ein Gulden

ein Gulden

ein Gulden

ein Gulden

ein Gulden

ein Gulden

 

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Fortsetzung folgt ...

Herr Brennig (im Jahr 2008 wohnhaft in Blomberg-Herrentrup) erlaubte mir telefonisch die Verwendung seiner Schrift.

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